0151 70194961 - Udo Glücks, Personal & Business Coach - Heidenheim, Ulm, Stuttgart und Umland gluecks@jobandlife.de
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© Simon Thon – Photocase

Die Basis erfolgreicher Führungskultur: Professionalität und Menschlichkeit

„Die ideale Führungspersönlichkeit braucht: die Würde eines Erzbischofs,
die Selbstlosigkeit eines Missionars, die Beharrlichkeit eines Steuerbeamten,
die Erfahrung eines Wirtschaftsprüfers, die Arbeitskraft eines Kulis,
den Takt eines Botschafters, die Genialität eines Nobelpreisträgers,
den Optimismus eines Schiffbrüchigen, die Findigkeit eines Rechtsanwalts,
die Gesundheit eines Olympiakämpfers,
die Geduld eines Kindermädchens, das Lächeln eines Filmstars
und das dicke Fell eines Nilpferds.“

(Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Ingo Kleist,
zum idealen Profil eines Polizeipräsidenten für Hamburg,
in: Miteinander reden: Praxis, 2013, Schulz von Thun, Friedemann, (Hrsg.))

Diese satirische Darstellung bringt, ironisch zugespitzt, viel Wahres auf den Punkt: Vielfältig und überaus widersprüchlich sind heute die Anforderungen an eine Führungskraft.
Es braucht eine große „personale Bandbreite“, eine Vielzahl von Möglichkeiten zu agieren und zu reagieren, die schier übermenschlich erscheinen.
Übermenschlichkeit jedoch ist für keinen Menschen ein anzustrebendes Ideal und so wenig, wie es den idealen Menschen gibt, wird es den idealen Führungsstil auch niemals geben. Was jedoch gelingen kann, ist einen Führungsstil zu entwickeln, der sich im Spannungsfeld zwischen Professionalität und Menschlichkeit immer wieder neu ausbalanciert.
Der renommierte Kommunikationspsychologe Professor Friedemann Schulz von Thun empfiehlt, einen integralen, ganzheitlich orientierten (hier: nicht weltanschaulich zu verstehenden) Führungsstil zu entwickeln. Dieser basiert auf dem Persönlichkeitsmodell von Fritz Riemann, der vier Grundstrebungen des Menschen beschreibt: Dauer und Wechsel, Nähe und Distanz. Der Psychologe Christoph Thomann hat dieses Modell für die Analyse der Alltags-kommunikation fruchtbar gemacht.

Vier Entwicklungsrichtungen einer Führungskraft

Professor F. v. Thun wiederum leitet daraus vier, sich widerstrebende Herausforderungen an eine Führungskraft ab. Diese können auch als denkbare Entwicklungsrichtungen, als Appell, die jeweilige seelische Komfortzone (Lieblingsecke) zu verlassen, verstanden werden. Die „vier Himmelsrichtungen der Seele“, als Kompass für vier mögliche Entwicklungsrichtungen einer Führungskraft, sind diese:

• Nähe-Pol: Hier beinhaltet Führung auch: Kontakt, Begegnung auf Augenhöhe, Wertschätzung, Menschlichkeit, gegenseitige Anerkennung, Empathie,   dienende Funktion.

• Distanz-Pol: Führung beinhaltet auch: Abgrenzung, Rollenklarheit, professionelle Distanz (also keine Distanzlosigkeit, Kumpelhaftigkeit), Kritik / Konfrontation, Frustrationszumutung. Es geht im professionellen, menschlichen Führungsverhalten immer um eine sinnvolle Balance zwischen einer gesunden Nähe und einer gesunden Distanz.

• Dauer-Pol: Führung beinhaltet auch: Strukturgebung, Organisation und Planung, klare Regeln und Absprachen, Zielorientierung und folgerichtiges Prozedere.

• Wechsel-Pol: Führung beinhaltet auch: Prozessbewusstheit, Lebendigkeit, Innovation, Entwicklung, Flexibilität, Improvisation, Kreativität, Humor/atmosphärische Leichtigkeit.

Die integrale Führungskraft lernt mit der Zeit, diese Pole auszubalancieren. So wie eine Gitarre gestimmt wird und einen authentischen Klang von sich gibt, entwickelt die Führungskraft Stimmigkeit und Authentizität. Sie hat an Klarheit und Ausgewogenheit gewonnen und kann diese nun auch nach außen klar und stimmig kommunizieren. Sie weiß, was Sie will und andere wissen, „wo sie mit ihr dran sind“. Führungspersonen können mit Unterstützung eines Coaches anhand dieses Modells Ihren eigenen Führungsstil reflektieren und weiterentwickeln. Prof. F. Schulz von Thun hat dieses oben vorgestellte Modell zusammen mit den Kommunikationspsychologen und Coaches, Johannes Ruppel und Roswitha Stratmann weiterentwickelt und beschreibt, wie eine stimmige Führung aussehen kann.

Wie kommuniziere ich richtig in der Führungsrolle?

Die Antwort: Es geht um Stimmigkeit.
Zu einer stimmigen Kommunikation gehören drei Komponenten. Kommunikation sollte: wesensgemäß, d.h. in Übereinstimmung mit mir selbst sein, system- und situationsgerecht, d.h. in Übereinstimmung mit dem jeweiligen Kontext sein, metakommunikativ, d.h. in Auseinandersetzung mit den Rollenpartnern über das Wie der gemeinsamen Kommunikation und Kooperation sein.
Eine Führungskraft kann an dieser inneren und äußeren Stimmigkeit mit Hilfe bewährter Tools (Werte- und Entwicklungsquadrat / Monodrama / Achtsamkeitsübung u.a.), gezielter Persönlichkeitsentwicklung (Entwicklung mit Hilfe des Inneren Teams) und durch Selbstführung arbeiten und sich weiterentwickeln. Für diesen Entwicklungsprozess werden auch Grundlagen der Kommunikationspsychologie und der Gesprächsführung nutzbar gemacht.

Gute Kommunikationsberatung beginnt mit der Erkundung des äußeren
(systemischer Blick) und des inneren Kontextes (Selbstklärung). (…) Willst du ein guter Kommunikator sein, dann horch zuerst in dich selbst hinein.

— Prof. Friedemann Schulz von Thun, Hamburg

Eine wesentliche Voraussetzung, um die Kommunikation mit anderen zu verbessern, ist das Interesse an der Sichtweise der anderen Person.

— H. Makarios, Pädagoge und Business Coach

⇒ Dieser Artikel erschien zuvor auch auf Linkedin Pulse.